Die Geschichte: 150 Jahre Tvg Steele

Nunmehr 150 Jahre ist es her, dass in der Heimatchronik des Ruhrstädtchens Steele, welches damals noch 4100 Einwohner zählte, einige bemerkenswerte Ereignisse zu verzeichnen waren. Die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Witten-Steele-Essen-Duisburg, die Errichtung einer Eisenbahnbrücke über die Ruhr oder die Gründung der Steeler Sparkasse sind nur als einige Beispiele dafür zu nennen.
Es war eine Zeit, in der man wiedergesellschaftliche Verbundenheit zu pflegen begann, ganz dem Vorbild des guten alten Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn folgend.
In dieser Zeit finden wir in Steele auch die Gründung des ersten Steeler "Sportvereins" damals noch ein patriotischer Verein, gegründet am 5. Dezember 1862, welcher unter dem Namen ,,die Jünger Jahns" dem damaligen Zeitgeist folgte.
Zur Turnvereinsgründung kam es erst später, am 5.1.1863, als man im Steeler Lokal Scheidtmann den "Steeler Turnverein 1863" aus der Taufe hob. Genauere Aufzeichnungen gibt es hierüber jedoch nicht mehr.
Nur das Gründungsprotokoll ist geblieben, in dem es u. a. heißt: ". . . dass der Steeler Turnverein als erster patriotischer Verein in Steele dazu berufen sein soll, durch pflege des deutschen Turnens das Streben nach nationaler und einheitlicher Entwicklung unseres Vaterlandes zu fördern".
Einundzwanzig Männer, das waren ein halbes Prozent der damaligen Steeler Bevölkerung waren an der Gründung des Vereins beteiligt.
Um die laufenden Kosten bestreiten zu können, wurden laut Gründungsprotokoll 15 Silbergroschen Eintrittsgeld und 5 Silbergroschen Monatsbeitrag erhoben.
Bekannte Steeler Größen wie der Geheime Sanitätsrat Strauß, seine Mitarbeiter Direktor Herzog, und Dr. Aronstein, der Gründer des Steeler Bürgervereins und des Stadtgartens, waren die ersten Unterzeichner des Protokolls. Es waren durchweg Männer die im damaligen öffentlichen Leben in Steele eine Rolle spielten und zum großen Teil auch Heimatgeschichte schrieben.
So war also in Steele der erste Turnverein gegründet - und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem eine solche Vereinsgründung im damaligen Deutschland noch eine Seltenheit war. In der näheren Umgebung gab es nur in Essen bereits seit 1859 einen Turnverein, welcher den Steeler Nachbarverein in seinen Gründerjahren tatkräftig unterstützte.
In der zweiten Versammlung wählte der Verein seinen Vorstand, wobei Dr. Strauß den ersten und L. Coers den zweiten Vorsitz übernahmen. Im Februar wurde ein vom Vorstand vorgelegter Statutenentwurf beraten und danach der Behörde zur Genehmigung eingereicht. Die Genehmigung erfolgte einige Zeit später, im März des gleichen Jahres nachdem jedoch vorher noch etliche Schwierigkeiten zu überwinden waren. Jetzt wurde der Turnbetrieb ernsthaft aufgenommen und bereits nach kurzer Zeit war die Mitgliederzahl auf 50 Mitglieder angewachsen. Bezeichnend für diese Zeit steht auch das Geräteverzeichnis des Vereins im Gründungsjahr:
"Ein Schwengel (Pferd), zwei Recks, drei Barren, ein Springgestell nebst den erforderlichen Matratzen und Kleingeräten."
Geturnt wurde zunächst in einem von dem Turnbruder Scheidtmann unentgeltlich zur Verfügung gestellten Zelt.
5 Monate nach der Gründung trat man dem Rheinisch Westfälischen Turnverband bei. Am nächsten Bundesfest, das im Juni 1863 in Dortmund stattfand, beteiligten sich 26 Turner. Bei diesem Turnfest wurde auch zum ersten Mal die Vereinsfahne gezeigt, eine junge Eiche mit schwarz-rot-goldener Schleife, welche durch ihre beeindruckende Schlichtheit so bestach, dass die Steeler Turner die Spitze des Festzuges übernehmen mussten.
Trotzdem - diese Fahne war später nur noch einmal, und zwar beim Turnfest in Essen zu sehen, denn schon bald wurde der Beschluss gefasst, eine Vereinsfahne anzuschaffen. Eine Sammlung freiwilliger Beiträge hatte einen über Erwarten günstigen Erfolg. Anlässlich des ersten in Steele stattfindenden Turnfestes am 6. September 1863 wurde die neue Fahne, die 65 Taler und 10 Silbergroschen kostete, vom Turnwart, Direktor Herzog, geweiht.Der Verein wuchs und festigte sich und auch das Turnen im Zelt musste bald aufgegeben werden, da die kältere Jahreszeit ein Turnen unmöglich machte.

Als Übergang stellte der Wirt Kranz den Turnern für den Winter seinen Saal und später auch für die wärmeren Jahreszeiten seinen Garten an zwei Abenden der Woche zur Verfügung. So war der Turnbetrieb auch für den Winter gesichert.
In der Folgezeit fanden neben dem Geräteturnen auch die ,,Freiübungen" besondere Beachtung, nachdem Dr. Aronstein durch Vorträge in der Öffentlichkeit besonders darauf aufmerksam und so auch stark dafür geworben hatte. Er führte das Schülerturnen ein und gab diesem eine entsprechende Turnordnung.


Rückschlag

Der Ausbruch des Krieges 1870/71 ließ das Interesse für das Turnen etwas in den Hintergrund treten. Nach Beendigung des Krieges jedoch besann man sich auch im Vereinsgeschehen wieder seiner Ziele und Aufgaben und nahm den Turnbetrieb wieder auf. 1873 bezog man erneut das früher benutzte Kranz'sche Lokal.
Nach 2½ jähriger Turnarbeit stellt sich jedoch abermals ein wesentlicher Rückgang ein, der bis gegen 1876 anhielt. Damit verbunden war natürlich auch die finanzielle Verschlechterung des Vereins, was dazu führte, dass auch das Stiftungsfest wegen der geringen Mitgliederzahl und mangelhafter Besuche der Turnabende ausfallen musste

 

Wende zum Besseren

Im Jahre 1877 trat dann langsam eine Wende zum Besseren ein, so dass der Turnbetrieb wieder aufgenommen werden konnte und sich von nun an ein besseres Bild bot. Am 11. August 1878 veranstaltete der Ruhrgau anlässlich des 100. Geburtstages des "Turnvaters" Jahn eine Turnwanderung von Mülheim über Kettwig, Werden und den Isenberg nach Essen-Steele, wo als Abschluss ein Turnfest stattfand. Die beiden nächsten Jahre, in denen S. Heinemann erster Vorsitzender und M. Coppel erster Turnwart war, standen im Zeichen des kommenden Gaufestes, das im Jahre 1880 auf Betreiben des Turnbruders Fr. Gautzsch hin dem Turnverein Steele zur Ausrichtung übertragen wurde.
Aufgrund schlechter Witterungsbedingungen jedoch konnte das Turnen nicht auf den Ruhrwiesen stattfinden und musste im Schaphaus'schen Saale durchgeführt werden.
Zwar war dieses Fest finanziell ein Minusgeschäft - man schloss mit einem Fehlbetrag von 500 Mark ab - trotzdem verfehlte es seinen Zweck, das Interesse für die Turnsache zu heben, nicht, was in einem starken Zuwachs an Mitgliedern und in der Gründung einer Kinderabteilung (damals noch ,,Zöglingsabteilung") zum Ausdruck kam.
1882 wurde der bisherige Kassenwart Fr. Gautzsch zum l. Vorsitzenden des Vereins gewählt. Sein größter Verdienst in der frühen Vereinsgeschichte war es, dem Verein zu einer vereinseigenen Turnhalle zu verhelfen und damit die Grundlage für einen gesicherten Turnbetrieb zu schaffen.

 

1885 - ein eigenes Vereinsheim soll gebaut werden

Im Herbst 1885 wurde der Entschluss gefasst, sich ein Vereinsheim zu bauen. Die ersten Maßnahmen zur Finanzierung wurden getroffen. Geldmittel erlangte man auch durch Beitragserhöhungen und außerordentliche Veranstaltungen. Viele Vereinsmitglieder spendeten namhafte Beträge. Der Essener, Gelsenkirchener und Kettwiger Turnverein unterstützten als Nachbarn das Vorhaben. Auch der Kreis gewährte einige Zuschüsse und die ,,Stiftung zur Errichtung deutscher Turnstätten" gewährte ein größeres Darlehen und eine bedeutende Schenkung.
In diese Zeit fallen zwei Ereignisse, die den Hallenbau für kurze Zeit in den Hintergrund treten ließen. Am 15. Dezember 1887, dem Tage der 25. Wiederkehr der vorbereitenden Versammlung zur Gründung eines Turnvereins wurden die Turnbrüder Dr. Strauß und Fr. Gautzsch zu Ehrenmitgliedern ernannt. Schließlich wurde am 5. Januar l888 das 25. Stiftungsfest im Schaphaus'schen Saale festlich begangen.
Während der folgenden Monate stand der Turnhallenneubau wieder im Vordergrund der Vereinsarbeit. Schon war ein ansehnliches Kapital vorhanden, das allerdings zu Bestreitung der Baukosten noch nicht ausreichte. Doch Fr. Gautzsch, die treibende Kraft dieses Unternehmens, ohne den der Hallenbau zu diesem Zeitpunkt undenkbar gewesen wäre, fand immer wieder neue Quellen, die ihm die notwendigen Geldmittel zur Verfügung stellten.
Ein guter Freund Gautzschs, der Architekt Lücke aus Herne, erklärte sich bereit, die Bauleitung für dieses Projekt kostenlos zu übernehmen. So erfolgte am 12. März 1888 der Grundstückankauf und im Mai dieses Jahres die feierliche Grundsteinlegung. Am 11. November wurde im Beisein des Steeler Bürgermeisters Heider und des Gauturnwarts Heckmann die Einweihung der Turnhalle gefeiert - Gerade richtig zum silbernen Vereinsjubiläum der Turner 'Fritz Gautzsch' hat sich durch sein Engagement für immer in die Vereinsgeschichte des Steeler Turnvereins eingeschrieben.
Am 10.und 11.Juni 1888 wurde dem Steeler Turnverein wieder die Ausrichtung eines Gaufestes übertragen, welches diesmal bei guter Witterung auf den Ruhrwiesen durchgeführt werden konnte.
Auch finanziell nahm dieses Fest einen erfreulichen Verlauf. Mit dem Gewinn von 95 Mark war doch eine deutliche Verbesserung zu verzeichnen.
Das Jahr 1891 war durch den Tod des Fritz Gautzsch getrübt. Am 4. März 1891 verlor der Verein mit Fr. Gautzsch einen seiner verdienstvollsten Turnbrüder des Vereins.
Zum 40jährigen Bestehen veranstaltete der Verein am 5. Januar 1903 eine große Festversammlung. Hier wurde das Ehrenmitglied Sanitätsrat Dr. Strauß zum Ehrenvorsitzenden und der Turnbruder P.W.A. Ostermann zum Ehrenmitglied ernannt.
Am 15. März 1903 wurde die Damenabteilung des Steeler Turnvereins gegründet.
14 Turnerinnen bildeten die erste Damenriege, die unter Leitung der Lehrerin Luise Steinsick zwei Abende in der Woche turnte.
Das 40. Jubiläum fand am 13' und 14' Juni im Hohenzollernsaal statt. Hier wurde auch die zweite Vereinsfahne geweiht, die durch Spenden finanziert wurde.


Seniorenturnen

Wiederholt war im Laufe der Jahre angeregt worden, eine Altersturnriege einzurichten. Nachdem der Verein diesen Wunsch nachgekommen war, gab es jedoch innerhalb der Riege immer wieder Schwierigkeiten, die erst durch 1909 übernommene Leitung durch Fritz Maus beseitigt werden konnte, der es immer wieder verstand, die Senioren zusammenzuhalten und so ein geregeltes Seniorenturnen möglich machte.
Seit Jahren schon veranstaltete der Verein im Anschluss an jede Jahreshauptversammlung eine Festversammlung. Beide Veranstaltun-gen wurden immer wieder durch große Teilnehmerzahlen zu erfolgreichen Vereinsveranstaltungen.
Die 50. Gründungsfeier des Vereins war besonders zahlreich besucht. Neben vielen Ehrungen wurde der Turnbruder Fritz Schroer zum Ehrenmitglied ernannt. Dem Geheimen Sanitätsrat Dr. Strauß, der dem Verein die gesamten 50 Jahre angehörte, wurde die Jahnbüste überreicht.


Nach 1919

Der Erste Weltkrieg wandelte vieles innerhalb und außerhalb des Vereins, so ging der Mitgliederbestand des Vereins auf 68 Mitglieder zurück. Der Turnbetrieb erlag fast ganz. Dennoch fanden sich die Turner allmählich wieder zusammen. Erst war es nur eine kleine Schar, die dann jedoch schnell immer mehr Anhänger und Mitturner fand. Es wurde wieder geturnt. Ende 1919 waren es schon wieder 67 aktive Turner, die die Turnhalle belebten.
Auch außerhalb des eigentlichen Turnbetriebes tat sich einiges. Wanderfahrten in die nähere Umgebung, in die Heide, ins Sauerland und sogar in den Thüringer Wald fanden ein breites Echo.
Mit dem zunehmenden Anwachsen des Interesses der Jugendlichen am Turnsport wuchs auch die Mitgliederzahl unseres Vereins 1922 auf 279 Mitglieder an, wovon 133 Mitglieder dem sportlich aktiven Bereich zuzuordnen waren.


Turnen auch in Krisenzeiten

UmzugAm 5.Januar 1923 wurde unter starker Beteiligung das 60jährige Vereinsbestehen im Saalbau Rakowitsch gefeiert, an dem der 2. Gauvorsitzende Urselmann die Festrede hielt. Im gleichen Jahre fand auch das erste Deutsche Turnfest nach dem Kriege in München statt, an dem die Turner Wulff und Küpper als Wettkämpfer teilnahmen. Es war damals die Zeit der Ruhrbesetzung durch die Franzosen, die den passiven Widerstand der Ruhrbevölkerung auslöste. Die Franzosen griffen zu drastischen Maßnahmen, um den Widerstand zu brechen. lm Zuge dieser Maßnahmen fand auch eine Sperre der Grenzen statt, womit auch eine Ausreise aus dem Ruhrgebiet verboten wurde. Das war für die Teilnehmer am Deutschen Turnfest in München eine bittere Pille. Trotzdem gelang es vielen, auf Schleichwegen im Bergischen, die Blockade zu durchbrechen und am Deutschen Turnfest teilzunehmen. Die mitgeführten Fahnen wurden um den Leib geschlungen und damit geschickt versteckt.
In München löste das Erscheinen der Turner aus dem Ruhrgebiet eine große Begeisterung aus. Die Steeler Turner marschierten an der Spitze des Ruhrgaues im Münchener Festzug (Foto), begeistert begrüßt von allen Turnfestteilnehmern und von der Münchener Bevölkerung.

Als die Besatzungszeit im Jahre 1925 zu Ende ging, veranstaltete die Deutsche Turnerschaft am 15. August zum Tage der Befreiung einen großen Staffel-Lauf zum Hermanns-Denkmal im Teutoburger Wald. Dieser Staffel-Lauf, der unter dem Namen "Hermannslauf" bekannt wurde, führte auch durch Steele.

Im gleichen Jahr fand 1928 das Deutsche Turnfest in Köln statt. Die Nähe des Festortes hatte zur Folge, dass eine stattliche Zahl von Turnern und Turnerinnen an diesem großen Fest teilnahmen. Wieder konnten die Turnbrüder Wulff und Küpper, diesmal als Altersturner am Wettkampf teilnehmen, wobei Fritz Wulff mit 134 Punkten als Sieger hervorging, während August Küpper das Pech hatte, dass er wegen einer Verletzung den Wettkampf, trotz aussichtsreicher Position, abbrechen musste.


Eine neue Halle sollte entstehen

Ein besonderes Ziel in unseren Bestrebungen und Bemühungen um das Turnen war unsere Turnhalle. Sie wurde zum Mittelpunkt all unserer Arbeit. Der damalige Bürgermeister Disch wollte unsere alte Halle kaufen, um, im Anschluss an das Sparkassengebäude, ein neues Rathaus zu bauen. In der Ruhraue, hinter der Bahnüberführung, vor dem heutigen Sportplatz, sollte die neue vereinseigene Turnhalle entstehen.
Die Eingemeindung nach Essen zerstörte alle Pläne und es musste versucht werden, unsere alte Halle zu modernisieren. Die wirtschaftliche Rezession in Deutschland jedoch führte auch in unserem Verein zu einer negativen Bilanz in der Buchhaltung. Der einzige Überschuss, auf den der Verein zurückgreifen konnte, war die Arbeitskraft der vielen Arbeitslosen. So nahm man die Sache selbst in die Hand:
Auf der stillgelegten Zeche Eintracht wurden Steine gebrochen und geputzt, mancherlei Material wurde gesammelt. Die Gebr. Pollman standen als Fachleute zur Verfügung, unsere Turner waren Handlanger und Handwerker. Es wurde ein neuer Fußboden gelegt, später wurde eine moderne Toiletten- und Brauseanlage erstellt. Als die Umbauarbeiten beendet waren, hatten die Turner allen Grund, stolz auf das Geschaffene zu blicken. Sie hatten aus eigener Kraft aus der Turnhalle ein Schmuckkästchen geschaffen.
Wenn man zurückdenkt an diese Zeiten, so fallen der Idealismus und der Eifer der Turner besonders ins Auge und verdienen an dieser Stelle höchste Anerkennung.

 

Das Dritte Reich beginnt

fritz mausMit dem Beginn des ,,Dritten Reiches" 1933 wurden die deutschen Turnerschaften nach und nach in dem "Reichsbund für Leibesübungen zusammengefasst."
Im Anfang stand noch - soweit das von außen zu erkennen war - der sportliche Grundgedanke im Vordergrund, nur wenige ahnten die späteren Folgen. Am Deutschen Turnfest 1933 in Stuttgart nahmen die Turner und Turnerinnen unseres Vereins noch mit der früheren Unbefangenheit und der gewohnten Begeisterung teil
Vorsitzender Fritz Maus (Foto) allerdings hatte sich von Anfang an gegen die damaligen Gleichschaltungsbestrebungen gestellt. Als die Gleichschaltung dann doch erfolgte und als Fritz Maus erleben musste, wie einige ihm gegebene grundsätzliche Zusagen nicht eingehalten wurden, legte er verbittert sein Amt nieder.
Die folgenden Jahre und deren Ereignisse ließen kein geregeltes turnerisches Arbeiten zu, und es kam zu erheblichen Rückschlägen. Der Turnbetrieb drohte bald ganz zu erliegen. Alle Bemühungen, das Turnen durch das gemeinsame Auftreten der drei Steeler Turnvereine in der breiten Öffentlichkeit zu beleben, scheiterten.







Vereinszusammenschluß 1936

In dieser Zeit des turnerischen Tiefstandes trafen sich die beiden jungen Vorsitzenden Walter Keuthen vom Turnverein Steele 1863 und Hans Stecker vom Turnclub Königssteele und stellten fest, dass bei beiden Vereinen der Wunsch vorhanden war, durch einen Zusammenschluss das Turnen auf eine breite Basis zu stellen und damit eine Voraussetzung für eine Wiederbelebung der turnerischen Arbeiten zu schaffen. Es war erstaunlich, wie schnell man sich über heikle Probleme wie Vereinsname, Vereinslokal und Ämterbesetzung einig wurde. In einigen weiteren Sitzungen der Vorstände wurde der Zusammenschluss vorangetrieben und in beiden Mitgliederversamm-lungen einstimmig beschlossen.
Am 4. April 1936 wurde der Zusammenschluss in einer gemeinsamen Mitgliederversammlung im Deutschen Hof, im Beisein des damaligen Kreisgeschäftsführers Otto Kuhler, vollzogen. Der Zusammenschluss wurde auch in der Steeler Öffentlichkeit begeistert aufgenommen. ln diesem Zusammenhang muss folglich an die Entwicklung des Turnklubs Königssteele gedacht werden.

Am 11. 11. 1907 wurde der Verein im westfälischen Königssteele gegründet.
40 Mitglieder zählte der Verein zum Gründungsdatum. Einen Monat nach der Gründung erfolgte die Aufnahme in den Emscher-Ruhrgau, bei dem der Verein trotz der Eingemeindung nach Steele und somit nach dem Rheinland verblieben ist. Erster Vorsitzender wurde der Brennereibesitzer Otto Hasenbrink und zweiter der Konditor J. Effing. Später folgten als erster Vorsitzender Rektor Otto Bülow und Gustav Hülsen. Als zweiter Vorsitzender.
Geturnt wurde zunächst auf dem Schulhof in der Wilhelmstraße, dann im Saal der Gastwirtschaft "Haus Henkel". Die Mitgliederzahl wuchs bereits in der ersten Zeit auf über 200 Mitglieder an.
Der damalige Amtmann des Amtes Königssteele, Herr Bock von Wüllingen, war ein Freund der Jugend und der Turner. So baute er im Jahre 1913 zu der neuen Schule an der Turmstraße auch eine Turnhalle, die anlässlich des im gleichen Jahre stattfindenden 25. Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelm II. den Namen "Kaiser-Wilhelm-Gedächtnishalle" erhielt. Am 18. Oktober 1913 wurde die Turnhalle unter starker Beteiligung der Nachbarvereine und des Männergesangvereins "Glocke" eingeweiht und ihrem Zweck übergeben.


Eine eigene Fahne

vereinsfahne
Am 3. Januar 1914 wurde in einer Versammlung beschlossen, eine Fahne einzuweihen und bereits im Juni desselben Jahres konnte das Fest der Fahnenweihe begangen werden.
Am Abend zuvor fand in dem bekannten Wittelerschen Saale, der bis zum letzten Platz gefüllt war, ein großes Turnfest statt. Der eigentliche Akt der Fahnenweihe erfolgte auf der Treppe der Turnhalle durch den Vorsitzenden des Emscher-Ruhrgaues. Vierzehn Tage später bereits verzeichneten die Turner des Klubs große Erfolge auf dem Bezirksturnfest in Dahlhausen und die Musterriege konnte hier, trotz stärkster westfälischer Konkurrenz, einen achtbaren 3. Platz erringen.
Im Krisenjahr 1923 jedoch gab es beim Turnclub Königssteele einen merklichen Rückschlag. Bei der Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen wurden auch die Turnhallen des Klubs beschlagnahmt und als Truppenunterkunft benutzt. Der Turnbetrieb wurde anfangs im Saale der Gastwirtschaft Drees aufrechterhalten. Später kam er jedoch fast ganz zum Erliegen und dennoch: Das Deutsche Turnfest in München wurde auch von Turnern des Turnklubs, trotz des Verbots durch die Franzosen, über Schleichwege im Bergischen Land besucht.
Noch einer verdient es an dieser Stelle besonders genannt zu werden, der Oberturnwart Hans Stecker. Er verfügte über ein ausgezeichnetes Organisationstalent und verstand es, seine Turner zu großen Leistungen anzuspornen. Selbst noch aktiver Wettkämpfer, brachte er den Turnclub auf einen hohen turnerischen Stand.




Tvg Steele 1863 e.V.

Der durch das gemeinsame Auftreten der drei Steeler Turnvereine bei öffentlichen Veranstaltungen bei den aktiven Turnern aufgekommene Gedanke, durch den Zusammenschluss aller Steeler Turnvereine einen großen Verein zu schaffen, fand im Turnclub Königssteele ein starkes Echo.
Da eine Vereinigung aller drei Vereine jedoch nicht zustande kommen sollte, bereitete man die Vereinigung der beiden Vereine TV Steele und Turnclub Königssteele vor. Nach dem Zusammenschluss der beiden Vereine begann man unter dem Vorsitzenden Walter Keuthen und dem 2. Vorsitzenden und Oberturnwart Hans Stecker mit der gemeinsamen turnerischen Arbeit.
Wegen der starken Mitgliederzahl mussten vorerst noch beide Turnhallen belegt werden, später wurde dann die vereinseigene Turnhalle durch die Fortnahme des Gesellschaftsraumes vergrößert.
Die Arbeiten im turnerischen Bereich fanden beim Gerätemann-schaftskampf des Kreises Essen im Jahre 1937 durch den ersten Sieg, den die Turnvereinigung dabei erringen konnte, ihren sichtbaren Ausdruck. Von da ab wurde die Spitze im Kreise Essen nicht mehr abgegeben. Namen aus Steele 63 fand man nun oft in der Stadtmannschaft, ja selbst in der Rheinland- und Deutschlandriege tauchten sie auf. Die Turner Heinz Walter, Rudi Hülswitt und Friedel Overwien wurden in ganz Deutschland bekannt und später zu Länderwettkämpfen herangezogen.
Auch unsere Leichtathletikabteilung erlebte einen starken Auftrieb durch immer neu gewonnene Mitglieder. Namentlich die Jugend-mannschaften standen mit ihren erreichten Punktzahlen in den Mannschaftskämpfen in den vordersten Reihen der Bestenlisten. So ist es nicht verwunderlich, dass zweimal Steeler Jung-Leichtathleten in der deutschen Leichtathletik-Jugend-Ländermannschaft gegen Italiens Jugend standen, und zwar Werner LichtenthäIer im Stabhochsprung und Josef VendeI im Kugelstoßen.
Nicht nur bei den Turnern und Leichtathleten ging es aufwärts, auch die Turnerinnen unter Walter Pareik zeigten im gymnastischen Turnen, in Tänzen und chorischen Bewegungsspielen nach der Methode Graverholz einen hohen Stand ihres Könnens.

 

Aufbauarbeit nach 1945

fritz degnerNach Beendigung des Krieges 1945 lenkte man in der Tvg das Augenmerk auf einen Wiederaufbau auch im turnerischen Bereich, was natürlich auch eine Neuordnung im Organisationsbereich des Vereins erforderte.
Das Hauptaugenmerk galt jedoch dem Turnernachwuchs, der in den ersten Jahren von Heini Cramer betreut wurde.
In diesen Jahren zeichneten sich E. Simon, J. Edling und G. Stecker durch engagierte Vereinsarbeit aus. In der Jahreshauptversammlung am 5. Januar 1949 übernahm Fritz W. Deger das ihm von der Versammlung vertrauensvoll und einstimmig angebotene Amt des 1. Vorsitzenden. Zweiter Vorsitzender wurde Karl Köhler. In ihre Amtszeit fiel die Wiederherstellung der Halle, womit die Vorausset-zung für einen geordneten Turnbetrieb geschaffen wurde.
Im März des gleichen Jahres kehrte Friedel Overwien als bester Einzelturner aus dem Länderwettkampf Finnland - Deutschland zurück und wurde in die olympische Kernmannschaft berufen. Seine Heimkehr von der Olympiade 1952 in Helsinki wurde im Verein begeistert gefeiert. Als Anerkennung wurde ihm die goldene Vereinsnadel verliehen. Seine Teilnahme an dem Flug der deutschen olympischen Mannschaft nach Südamerika war für ihn ein weiteres eindrucksvolles Erlebnis.

Die turnerische Arbeit erreichte nun ihren Höhepunkt. Zahlreiche Kunstturnwettkämpfe gegen namhafte Vereine des Bundesgebietes wurden durchgeführt. Bei allen Gau- und Kreisveranstaltungen und auch bei den deutschen Kunstturnmeisterschaften waren Turner und Turnerinnen aus der Turnvereinigung vertreten. Viele Siege wurden verzeichnet. Die Steeler Kunstturnriege wurde im Laufe der Zeit so stark, dass sie es mit jeder Vereinsmannschaft innerhalb des Bundesgebietes aufnehmen konnte.

 

Turnhalle Ruhrbruchshof

baustelle
Nachdem in den 60iger Jahren die politische Entscheidung gefallen war, den Ortskern von Steele umfangreich zu sanieren, war damit festgelegt, dass unsere mehr als 80 Jahre alte Turnhalle an der Dreiringstraße abgerissen würde.
Seit Beginn der 70er Jahre hat jeder gewählte Vorstand vor der Aufgabe gestanden, das Projekt einer neuen Turnhalle zu verwirklichen.
Ein erstes Konzept wurde von unserem Vereinsmitglied H. Bannach für den Standort Langmannskamp erarbeitet. In den folgenden Jahren wurde permanent mit den politisch Verantwortlichen und dem Umlegungsausschuss (zuständig für die Sanierung) verhandelt. Ein weiterer Vorschlag unsererseits zu einer Ansiedlung zwischen Ruderclub und Schwimmverein unterstützt durch die Gemeinschaft der Steelenser Vereine kam nicht voran.
Endlich zum Ende des Jahres 1977 wurde unserem Verein ein Ersatzgrundstück am Ruhrbruchshof angeboten, ein Projekt, das anfangs wenig begeisterte. Nachdem im Jahre 1978 gemeinsam mit dem Architekten H. Prof. Behrendt ein Entwurf einer Turnhalle mit einem Jugendraum erarbeitet war, konnte mit der Stadt Essen über ein Entschädigungsangebot verhandelt werden.

 

 

Die Verhandlungen mit dem Umlegungsausschuss erbrachten einen sehr positiven Vorschlag. Am 4.11.78 fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt, auf der der Vorstand das Verhandlungs-ergebnis vortrug und um Vollmacht zum Abschluss der Verträge abstimmen ließ. Vorgesehen war der Verkauf des Grundstücks und der Turnhalle Dreiringstraße, danach der Erwerb des Grundstücks Ruhrbruchshof (dreifache Größe wie Dreiringstraße), Verpachtung in Erbpacht an die Stadt Essen zur Errichtung einer Turnhalle. Die alleinige Nutzung durch die Turnvereinigung Steele wurde festgeschrieben, eine Nutzung durch Schulen zugesichert.
Das Hauptproblem, die Finanzierung des Turnhallenneubaus, war damit jedoch noch nicht gelöst. Hier folgten wiederum Verhandlungen mit dem Umlegungsausschuss und dem Land NRW. Mit Unterstützung der Politiker gelang es dann auf der Prioritätenliste an Platz 1 zu gelangen, ein besonderer Umstand half uns hier. Das Land NRW hatte beschlossen, zur Belebung der Wirtschaft ein Zukunfts-Investitions-Programm aufzulegen. Hier gelang es uns, unser Projekt so darzustellen, dass es gefördert wurde.
Ende 1979 wurde dann mit dem Neubau begonnen - geplante Gesamtkosten über 2 Millionen DM. Am 1. Dezember 1980 konnte der Turnbetrieb in der neuen Halle beginnen, die feierliche Einweihung im Beisein von Herm Oberbürgermeister Katzor erfolgte Anfang 1981.

Im Laufe der Jahre wuchs die Mitgliederzahl der Tvg. sehr stark an. Man beschränkte sich nicht mehr nur auf turnerische und leichtathletische Vereinsarbeit, sondern bot ihren Mitgliedern mehr und mehr auch die Möglichkeit, sich in anderen Sportarten zu versuchen. So gehörten Gründungen immer neuer Abteilungen zum bezeichnenden Vereinsbild der letzten 25 Jahre, was letztlich dazu beitrug, dass die Mitgliederzahl bis Ende 1986 auf fast 900 Mitglieder anwuchs.
lm Laufe der Zeit wurden einige Umbauten in und an der Turnhalle vorgenommen. So begann man 1992 unter der Leitung von K.H. Weber, J. Feier und H. Stecker mit dem Anbau des Gymnastikraumes mit Umkleide- und Sanitäranlage. Diesen Raum nutzt man unter anderem als dezentrales Gesundheitszentrum. Der dazugehörige Fitnessraum mit den entsprechenden Geräten, einer Terrasse und das neue Vereinsbüro stand auch mit im Bauplan und wurde umgesetzt.
1998 bekam der Jugendraum nach Umsetzung der Theke eine neue Küche mit Lagerräumen und Kühlhaus. In diesem Bauabschnitt entstand auch ein kleiner Konferenzraum mit Inventar.
Dank der tatkräftigen Mithilfe der Mitglieder konnten manche Arbeiten in Eigenleistung durchgeführt und dadurch Kosten gespart werden.
Trotzdem hat der Verein eine wirtschaftlich schwierige Zeit zu überstehen. Ohne die finanzielle Hilfe einiger Mitglieder, die kurzfristig mit Darlehen ausgeholfen haben, hätte man die Zeit eventuell nicht überstanden. Selbst die Übungsleiter verzichteten ein Jahr auf ihre Bezahlung.

vereinsheim

 2002 schieb der Verein endlich wieder schwarze Zahlen. Von den An- und Umbauten hat die Öffentlichkeit keine Notiz genommen.

 







 

Das Jahr 2011turnhalle
Durch die Initiative des Vorsitzenden Chr. Hagedorn wurde das gesamte Gebäude mit LED-Lichttechnik umgerüstet.
Die hiesige Presse berichtete ausführlich über die gelungene Umrüstung, Selbst die Energie Agentur NRW sowie der LSB berichteten ausführlich.
Der Verein hat sich aufgrund dieser Umrüstung im Juni 2011 um den Umweltpreis "Essen weist Wege" beworben.
Die Jury sah uns nach der Erfüllung aller Kriterien auf Platz 2. Diesen Platz honorierte man mit der entsprechenden Geldsumme. 

Für die Zukunft stehen noch zwei große Projekte an: Neubau des Daches und Umbau der Duschen. Wir sind überzeugt, diesen Abschnitt mit den geplanten Zuschüssen auch zu meistern!